Teil 2: Ein Schnitt mitten durchs Leben

Das Kind von Frau B. wächst und wächst. In der Zeit zwischen unseren Terminen gab es Turbulenzen und Unsicherheiten, doch die Hebammen-Erkenntnis „Was sitzt, sitzt“ bestätigt sich wieder einmal.

13. April 2022, SMS von Frau B.: „Ich komme gerade vom Ultraschall: Man sieht eine Fruchthöhle mit Dottersack. Das ist wundervoll!“ Ein paar Tage später, an Ostern, gab es einige Schreckstunden: „Heute morgen hatte ich leichte Blutungen, und mein Mann hat mich sofort ins Krankenhaus gefahren: Entwarnung, alles ok. Ich konnte sogar den Herzschlag meines Kindes sehen! Die HCG-Werte sind rasant gestiegen. Das hat mich sehr beruhigt.“

In der letzten Sitzung (siehe Teil 1) hatten wir die energetische Kompatibiliät von Gebärmutter und befruchteter Eizelle hergestellt und damit die Basis gelegt für die Einnistung einer Eizelle. Heute, am 22. April 2022, will ich im ersten Schritt Streß-Altlasten der Klientin beseitigen und danach mittels einer musikkinesiologischen Balance die positive Resonanz von Mutter und Kind stärken. Vereinfacht ausgedrückt: Das Kind soll sich in der Mutter willkommen und rundum pudelwohl fühlen.

Wir verringern die Streß-Altlasten

Wenn ich Klienten die Bedeutung von Streß erläutere, verwende ich immer das Bild eines Fasses. Ist das Streß-Faß voll, genügt der sprichwörtliche Tropfen, der es zum Überlaufen bringt. Schon Kleinigkeiten werfen uns dann aus der Bahn, machen uns reizbar, ungenießbar – und krank.

Deshalb ist es so wichtig, den Streß-Pegel im Faß möglichst niedrig zu halten. Dann sind wir selbst bei einem großen aktuellen neuen Stressor fähig, flexibel und kontrolliert zu reagieren. Um es mit einen Modebegriff zu sagen: Wir haben dann eine hohe Resilienz.

Nun gibt es Stressoren, die unser Faß schon seit Jahren, ja Jahrzehnten füllen, ohne daß wir uns dessen bewußt sind. Und so, wie unser Körper nicht lügt, vergißt er auch nicht, d.h. er speichert unverdauten alten Streß – z.B. in Gelenken (Kiefergelenk!) und Muskeln. Besonders schädliche Streß-Altlasten auf der körperlichen Ebene sind:

  • Narben,
  • Zahnwurzelbehandlungen,
  • Zahnextraktionen,
  • Knöchelbrüche,
  • Mammografien.

Knöchelbrüche, Zahnwurzelbehandlungen und Mammografien hat Daniela B. zum Glück nicht erlitten. Doch wurden ihr alle Weisheitszähne gezogen. Ich teste, ob sie Streß damit hat – der Muskel sagt ja – und lösche diesen alten gespeicherten Streß dann mit einer elegant einfachen Kopfschütteltechnik. Wie diese wundervolle kinesiologische Methode ausgeführt wird, sehen Sie sich am besten in diesem Video von Kinesiologie-Altmeister Sheldon Deal an (ab 1’16”).

Nun bleiben noch die Narben. Am rechten Fuß und Bein sind ein paar Kleine, doch sie liegen gut und machen keine Probleme. Es gibt also nichts zu tun. Mit „gut liegen“ ist gemeint, daß die Narbe keinen Meridian schneidet und nicht auf einem Energiepunkt eines Meridians liegt. Ist dem so, dann stört die Narbe den Energiefluß im System – und das hat weitreichende Folgen: Sie ist dann ein Dauer-Stressor, füllt also ständig das Streß-Faß auf.

Medizinische Sensation

Nach dieser „Alt-Last“-Beseitigung wollte ich mit der Klientin eine Musik-Balance machen. Doch – wie so oft in einer kinesiologischen Sitzung – biegt das System der Klientin auf einmal ganz anders ab, anders als erwartet, anders als geplant. Als Kinesiologie nehme das dankbar an und auf, denn das Gesamt-System der Klientin – nicht ihr Verstand! – weiß ganz genau, was hier und jetzt am wichtigsten für sie ist. Das System der Klientin (die Einheit aus Körper, Seele und Geist) holt sich in einer Sitzung, was es dringend braucht.

So auch heute. Als ich denke „Gut, dann machen wir jetzt die Musik-Balance“, kommt die Klientin mit einer weiteren Narbe ums Eck. Und die hat es in sich – energetisch wie biografisch.

Als sie neun Jahre alt war, schwoll der Klientin der Bauch an und schmerzte heftig. Der Kinderarzt meinte, bei diesen Symptomen seien Kamillentee und Wärmflasche die angemessene Behandlung. So ging das einige Tage. Doch der Bauch wurde immer dicker, die Schmerzen wurden immer schlimmer. Bis das kleine Mädchen Daniela B. in der Schule zusammenbrach. Mit Notarztwagen und Blaulicht kam sie ins Krankenhaus, eine Uni-Klinik.

Dort waren die Ärzte so begeistert von der Erkrankung des Mädchens, daß sie es – bevor sie die Not-Operation vornahmen – den Studenten vorführten. Ein neunjähriges Mädchen mit Eierstock-Zyste. Das war eine medizinische Sensation!

Zuerst mußte Daniela B. zahlreiche als äußerst demütigend empfundene Untersuchungen über sich ergehen lassen. Noch heute erschauert sie beim Erzählen:

„Was die mir alles eingeführt haben!“

Danach wurde sie im Bett in den Hörsaal gerollt, die Decke wurde weggezogen – und dann durften viele wildfremde Menschen an ihr herumfingern und herumtasten. Ich beschreibe das ganz bewußt aus der Ohnmachts-Perspektive eines neunjährigen Kindes. Denn ganz egal, was die mechanistisch-materialistische Medizin-Perspektive dazu sagt: Was da geschehen ist, war eine Art Vergewaltigung. „Was hat man Dir, du armes Kind, getan?“, sag ich da mit Goethes Mignon-Gedicht

Energetischer Super-Gau

Die Operation hat dem Mädchen Daniela vor 31 Jahren wohl das Leben gerettet, denn die Zyste im Eierstock war kurz vor dem Platzen. Der Frau Daniela B. hat die Operation das Mutterwerden extrem schwer gemacht. Nicht so sehr, weil ein Eierstock entfernt wurde, sondern weil bei der Operation der Meridian „Rèn Mài“ verletzt wurde.

Dieser Meridian beginnt am Damm und verläuft in der Körpermitte nach oben bis zur Unterlippe. Er ist von besonderer Bedeutung für die Fortpflanzungsorgane der Frau. Das chinesische „rèn“ bedeutet schwanger, „mài“ ist der Puls. Deshalb nennt man diesen Meridian auch Konzeptionsgefäß, also Gefäß der Empfängnis. Eine energetische Störung blockiert die Fortpflanzungsfähigkeit einer Frau.

Frau B. zeigt mir die Operationsnarbe. Sie geht vom Schambein bis zum Nabel. Der Schnitt verläuft genau auf dem „Rèn Mài“ und geht durch sechs Akupunkturpunkte, die allesamt bedeutsam für die Fruchtbarkeit sind. Akupunkturpunkte kann man auch als „Chi-Höhlen“ bezeichnen, also als Lebensenergie-Höhlen.

Da ist zum Beispiel Rèn Mài 4 – „guān yuán“, „Das Ursprungstor“ oder auch „Tor des Kindes“, dessen Name für sich spricht. Und da ist Rèn Mài 5, „shí mén“ – „Das Steintor“: So wie ein Acker voller Steine keine Frucht hervorbringt, so auch eine Frau voller Steine – und eine Zyste ist wie ein Stein, in dem Kälte und Angst gespeichert sind, so daß nichts wachsen kann. Nun wurde dieser kalte Angst-„Stein“ bei der Operation zwar entfernt, doch die damit verbundene energtische Verwüstung wirkt weiter.

Der lange Schnitt auf diesem Meridian, der so viele Energiepunkte in Mitleidenschaft zieht, ist ein energetischer Super-Gau.

Die dadurch entstandene Narbe offenbart tiefes Leid und tiefen Schmerz. Sie sagt gewissermaßen zu mir: „Hier bin ich in meiner ganzen Qual. Nimm dich meiner an!“ Mir kommt das Gemälde „Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion“ von Francis Bacon in den Sinn, auf dem ein Gesicht nur aus einem verzweifelt schreienden Mund besteht.

Die chinesische Medizin arbeitet mit Gesichtsdiagnose – ein Mittel, das ich auch verwende. Bei Frauen zeigt das rechte Ohr die Zeit von der Empfängnis bis zum sechsten Lebensjahr, das linke Ohr bildet die Jahre sieben bis dreizehn ab. Am linken Ohr von Daniela B. zeigt sich deutlich das traumatische Erlebnis der Operation im Alter von neun:

Die starke Einkerbung der linken Ohrleiste zeigt den traumatischen Streß der Operation, die die Klientin mit 9 Jahren über sich ergehen lassen mußte.
Die starke Einkerbung der linken Ohrleiste zeigt den traumatischen Streß der Operation, die die Klientin mit 9 Jahren über sich ergehen lassen mußte.

Wir entstören die Narbe

Nun gehen wir daran, aus Daniela B.s schlimmster Narbe den Streß herauszunehmen. Narbenentstörung nennen wir das in der Kinesiologie. Es ist eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Methode, die die Klientin selbst ausführt.

Sie liegt auf dem Rücken und streicht strahlenförmig mit den Finger sanft von der Narbe weg nach außen. Die Bewegungen sind wie Sonnenstrahlen, die den Streß ableiten. Das ist die physische Dimension.

Zugleich läßt die Klientin in ihrem Kopfkino den Film ablaufen, der die Entstehung der Narbe zeigt. Sie sieht ihn nur an. Sie analysiert nicht. Vor allem assoziiert sie sich nicht mit den Geschehnissen. Diese sind außerhalb von ihr und lösen sich auf – parallel zu den Austreichbewegungen an der Narbe. Die Klientin ist nicht mehr diese Narbe, sie ist nicht mehr dieser Schmerz, sie ist nicht mehr dieses Leiden. Das ist die emotionale Dimension.

Nach ein paar Minuten ist der innere Film durch, doch Frau B. streicht die Narbe weiter aus, weil es ihr gut tut. Dabei erzählt sie mir die Geschichte der Tätowierung, die jetzt die Narbe verhüllt.

Tätowierung statt Scham

Zunächst ist da Scham, riesige Scham. Denn seit der Operation fühlte Daniela B. sich wie Frankensteins Monster: häßlich, verunstaltet, nicht liebenswert. Vor allem natürlich ab der Pubertät. Wenn ihre Freundinnen im Bikini stolz ihre Reize präsentierten, stand sie neidisch und von Scham erfüllt im Badeanzug, der die Narbe verdeckte, daneben. Sie gehörte nicht zu den Bikini-Schönheiten. Und nicht Dazuzugehören ist in diesem Alter das Allerschlimmste.

Bei Begegnungen mit Männern, bei der Entdeckung der Sexualität war die Scham auch ein ständiger Gast. Daniela B. überlegte immer ganz genau, wie sie sich bewegen, plazieren und postieren mußte, damit die Männer ihre Narbe nicht oder nur wenig zu sehen bekamen.

So ging das lange Zeit. Erst mit 25 kam die Wende. Da ließ Daniela B. sich eine Tätowierung auf und um die Narbe machen: ein farbenprächtiges orthodoxes Kreuz, das von Kirschblüten umspielt wird. Seither kann sie unbefangen ihren Körper zeigen und erlebt Sex ohne Narben-Scham.

Wir sind fertig für heute. Es war wieder eine sehr intensive Sitzung, in der wir äußerst schmerzhafte Erlebnisse bearbeitet und (auf)gelöst haben, damit das Kind, die kleine Valerie, in einer körperlich, emotional und geistig möglichst streßfreien Umgebung heranwächst.

Daniela B. ist glücklich erschöpft, denn sie hat viel geleistet – für sich und ihr Kind. Unsere gemeinsame Reise zum Kind ist ein großes Stück weiter vorangekommen.